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Kazanie bpa gen. Ryszarda Borskiego

50-jähriges Jubiläum des Wiederaufbaus der Kirche und 15 Jahre der St. Christophorikirchengemeinde
 
Weiter, liebe Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde wie bei euch und dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding. Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen. Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten. Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.
2 Thess. 3,1-5 
 
bp gen. Ryszard BorskiLiebe St. Christophorigemeinde in Breslau und in Niederschlesien! Liebe Gäste!
 
Mit Freude und im Herzen bewegt nehme ich heute an eurer Gemeindefeier teil. Ihr begeht feierlich das 50. Jubiläum des Wiederaufbaus der St. Christophorikirche, die zuerst die zerstreute Schar der Evangelischen deutscher Zunge zusammengebracht hatte, und später zum echten Zentrum und Symbol vom Bestehen, Wirken und geistigen Leben der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde in Niederschlesien wurde.
 
Zugleich begeht die St. Christophorikirchengemeinde in diesem Jahr den 15. Jahrestag ihrer Gründung, die eurem geistigen Leben den stabilen Organisationsrahmen gab und das Fundament für die heutige materielle Basis der Gemeinde schuf.
 
Mit dem ersten Feieranlass verknüpfen sich bei mir keine persönlichen Erinnerungen, aber es bleiben in meinem lebendigen Gedächtnis die ältesten Gemeindemitglieder, mit denen ich den 12-jährigen Weg gemeinsam ging, die eben jene Geschichte des Wiederaufbaus der Kirche und ihrer Wiedereinweihung mitgemacht haben. Es kehren heute zu mir ihre Gesichter und Gestalten zurück, ihre Erzählungen von ihrer großen Freude, als sie den ersten Gottesdienst in der wiederaufgebauten Kirche feiern konnten. In diesem Zusammenhang möchte ich neben den Gemeindemitgliedern auch meinen verstorbenen großen Freund Pastor Wolfgang Meissler erwähnen, der diese Kirche wiederaufgebaut hat und dann einige Jahre in ihr als Hauptprediger und Seelsorger der Gemeinde diente. Ich möchte auch die zwei nächsten Seelsorger nennen, die euch in dieser Kirche Gottes Wort gepredigt haben: Bischof Józef Pośpiech und Pfarrer Jan Zajączkowski. Zu dieser Kette gehören auch ihre Vorgänger: Pastor Herbert Rutz aus Schweidnitz und Pastor Wilhelm Steckel aus Liegnitz. Wir gedenken ihrer aller dankbar vor dem Herrn in dieser feierlichen Stunde.
 
Dankbar vor dem Herrn denke ich heute auch an die große Schar der uns persönlich bekannten und unbekannten Glaubensschwestern und –brüder, besonders aus der Gemeinschaft Evangelischer Schlesier, aus dem Johanniterorden und aus den Partnergemeinden, die auch später unsere Gemeinde unterstützt haben, um ihre Kirche mit der gesamten Einrichtung in diesen Zustand zu bringen, in dem sie sich heute befindet.
 
15 Jahre der St. Christophorigemeinde gibt uns auch den Anlass, an alle Stunden der Freude zurückzudenken, die wir zuerst 7 Jahre gemeinsam erlebt haben, und die ihr, liebe Gemeinde, seit 8 Jahren mit euren jetzigen Seelsorgern erfahrt und erlebt. Ihnen liegt der jeweilige Schritt und die jeweilige Entscheidung zugrunde, die wir damals gemeinsam mit allen Teilen der „Nichtpolnischen Gemeinden“ getroffen haben, die St. Christophorigemeinde zu gründen. Wie geschichtlich und entfernt klingt uns heute selbst jene frühere Bezeichnung: Nichtpolnische Gemeinden!
 
Der heutige Tag ist für euch, liebe Gemeinde, und für mich persönlich ein Tag der Freude und der Dankbarkeit gegen Gott, den Vater, und unseren Herrn, Jesus Christus. Aber zugleich ist es ein Sonntag, wie jeder andere, mit einem Gottesdienst, wie jeder andere, in dem vor allem Gottes Anwesenheit unter uns gilt und Gottes Anwesenheit für uns an erster Stelle steht: in seinem Wort an uns und im Sakrament Jesu Christi, in dem uns die Früchte seines Todes geschenkt werden. Was bringt uns also das von der Kirche für den heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis bestimmte biblische Wort?
 
1. Fürbitte
 
Der Apostel Paulus bittet die Adressaten seines Briefes aus Thessaloniki um ihre Fürbitte: …betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde bei euch und dass wir erlöst werden von den falschen und bösen Menschen; denn der Glaube ist nicht jedermanns Ding.
 
Es gibt in diesen Worten Elemente, die mit der damaligen konkreten Situation von Paulus und den Gefährten seiner Missionsreise zusammenhängen und zu ihr gehören: das Evangelium wird von einigen abgestoßen, die Umgebung reagiert manchmal feindlich auf die neue Lehre, es mehren sich Schwierigkeiten und Gefahren. Auch in den jungen Christengemeinden erscheinen die Leute, die die Autorität von Paulus als Apostel Jesu Christi bestreiten, die sein Evangelium mit eigenen Einsichten ergänzen und es verstellen, deren Tätigkeit der jungen Gemeinde mit Spaltungen und Irrwegen droht. Denn der echte Glaube war und ist nicht jedermanns Ding.
 
Es steckt aber in diesen apostolischen Worten auch die überzeitliche Botschaft, die wir heute als die aktuelle apostolische Mahnung für uns vernehmen. Damit der Glaube wachse und sich überall entfalte, auch bei euch und in euren Herzen, damit Gottes Wort überall gepriesen werde, auch bei euch und von euch, ist auch euer Gebet nötig, eure Fürbitte für die, die euch Gottes Wort verkündigen.
 
Die Gemeinde hat immer gewissen Einfluss darauf, wie ihr das Wort verkündigt und wie dieses Wort von ihr vernommen wird. Zuerst ist es selbstverständlich, dass jede und jeder von euch das gepredigte Wort hören und glauben kann oder aber an sich vorbeigehen lässt. Weiter aber hat das geistige Klima in der Gemeinde Einfluss auf den Prediger und seine Predigten. Auch seine persönliche Erkenntnis der geistigen Höhen und Nöte der Gemeindemitglieder hat Einfluss auf den Prediger, darauf, was und wie er verkündigt. Der Apostel Paulus weist noch weiter auf den geistigen Einfluss der Gemeinde hin, auf die Kraft ihrer Fürbitten für ihre Prediger und Seelsorger, auf dass das Wort des Herrn laufe und gepriesen werde. Dazu werdet ihr, liebe Schwestern und Brüder, heute aufs Neue ermutigt.
 
2. Vertrauen zum Herrn
 
Aber schon im zweiten Vers wird die Perspektive umgedreht und der Missionar, der Prediger des Evangeliums und der Seelsorger – der Apostel Paulus – denkt mit Liebe und Sorge an die Gemeinde, an die er schreibt, denkt an ihre ehemalige schwierige Lage in der feindlichen religiösen Umgebung. Aber der Herr ist treu; der wird euch stärken und bewahren vor dem Bösen.
 
Dieses Vertrauen zum Herrn hege auch ich heute und teile es mit Paulus, wenn ich anlässlich eurer doppelten Feier wieder unter euch stehen und euch Gottes Wort predigen darf. Er, euer Herr, hat euch immer in diesen vergangenen Jahrzehnten Treue bewiesen, während man immer wieder das rasche Ende eurer Gemeinde vorausgesagt hat. Ohne bösen Willen. Ohne böse Intentionen. Einfach als Ausdruck des eigenen Empfindens ohne Kenntnisse vom Willen Gottes für euch. Und Gottes Wille für euch war und ist, wie wir ihn heute sehen und feierlich erleben: Euch ist es gegeben worden - wenn auch in immer kleinerer Schar – am Glauben der Väter und am Gottesdienst in eurer Muttersprache über diese Jahre hinweg festzuhalten.
 
Es war auch Gottes Wille für euch, dass die älteste Generation der Gemeindemitglieder, nach schweren und oft persönlich sehr dramatischen Erfahrungen des Krieges und der Nachkriegszeit, zusammen mit der jüngeren Generation den Frieden genießen konnte, und in den letzten 19 Jahren auch die Freiheit und die Garantie der Rechte, die allen Menschen in Polen der Wechsel des politischen Systems und die Demokratie gebracht haben.
 
Ich vertraue dem Herrn, dass Er euch weiter stärken und bewahren wird vor allem äußeren Bösen, damit jede und jeder von euch das Brot im Frieden genieße, sich seiner Kinder, Enkel und Urenkel freue, aber auch mit Dankbarkeit die Verbundenheit mit der Kirche und der Gemeinde pflege.
 
3. Vertrauen zur Gemeinde
 
Liebe Gemeinde!
 
Doch der Apostel Paulus weißt, dass das Böse die Christen nicht nur von außen bedroht. Er vertraut nicht nur dem Herrn wegen seiner Treue, Stärkung und Bewahrung der Gemeinde vor dem Bösen. Er vertraut auch den Gemeindemitgliedern, dass sie sich an das Wort Gottes halten werden, um das Böse für ihre Seelen, ihre Herzen, für ihren Glauben und ihr Heil zu meiden: Wir haben aber das Vertrauen zu euch in dem Herrn, dass ihr tut und tun werdet, was wir gebieten.
 
In solchem Vertrauen bin ich auch heute unter euch, liebe St. Christophorigemeinde. Auf einer Strecke war es mir gegeben, unter euch Gottes Wort zu säen. Vor mir waren andere, die dasselbe getan haben. Und nach mir kamen diejenigen, die das heute tun: Pfarrer Andrzej und Pfarrer Dawid. Aber nicht wir sind etwas, sondern nur Gottes Wort, das in euren Herzen bleibt und diese Früchte bringt, die der Herr von euch, von eurem Leben erwartet.
 
Obwohl ihr immer unter euch diejenigen habt und haben werdet, die eure Führer zu Christus sind, Er und nur Er selbst, Jesus Christus, ist euer echter Hirte, euer einziger Heiland, euer Weg und Wahrheit und Leben. Um Ihn geht es in jedem Gottesdienst, Er selbst und sein Wort sind Gottes Wort für euch. Seine Gebote und das Beispiel seines Lebens sind es, was euch wirklich zum Gehorsam und zur Nachfolge verpflichtet. Sein Tod ist eure Rechtfertigung vor Gott, dem Vater, und euer Sieg. Und nur darum kann es uns, den Predigern des Wortes Gottes gehen: damit ihr immer, damit wir alle immer nur auf Ihn hören und dem folgen, was Er uns gebietet. Denn nur sein Wort, und nicht die geistigen Zeitströmungen oder die menschliche Weisheit, behütet und bewahrt unsere Seelen vor dem Bösen.
 
4. Wunsch für die Gemeinde
 
Liebe Gemeinde!
 
Zum Schluss unseres Predigttextes stehen die Wünsche, die der Apostel an die Gemeinde in Thessalonik richtet: Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.
 
Es waren besonders wichtige und tröstliche Worte in der schwierigen Zeit der Gemeinde. Christus wird euch an die Liebe Gottes erinnern und euch befähigen, von Ihm die Geduld in Widerfahrnissen zu lernen.
 
Braucht ihr es aber weniger am heutigen feierlichen Tag und in den nächsten Tagen? Es gibt immer solche, und auch heute unter euch, bei denen sich die Freude der Gemeindefeier mit den persönlichen Sorgen, Lasten, Schwachheiten oder Krankheiten mischt. Jeder und jede von euch trägt die eigene Last auf dem Herzen und im Leben. Wir wollen in dieser feierlichen Stunde der St. Christophorigemeinde nicht in den oberflächlichen Triumphalismus verfallen, denn diese Stunde ist für alle, auch für die und in Gottes Augen vielleicht besonders für die, die sich aus persönlichen, familiären, gesundheitlichen oder geistigen Gründen nicht voll und grenzenlos freuen können. An die besonders ist heute dieser apostolische Wunsch gerichtet: Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf die Geduld Christi.
 
Liebe Schwestern und Brüder!
 
Für alle guten, aber auch für alle anderen Tage, die vor eurer Gemeinde stehen, möchte ich euch dasselbe wünschen, was einmal der Apostel Paulus der Gemeinde in Thessaloniki gewünscht hat, überzeugt im Glauben und durch Erfahrungen, dass die Bekenner Jesu Christi unter dem besonderen Schutz Gottes stehen: In allem seid der Liebe Gottes gewiss und lernt in allem die Geduld von unserem Herrn Jesus Christus. Amen.
 
bp gen. Ryszard Borski, Ewangelicki Biskup Wojskowy